3781_1_brust-abtastenDas Schicksal von Angelina Jolie beschäftigt viele Menschen, Zeitungen, Radio, Fernsehen und das Internet. Ein Gentest hatte bei ihr ein hohes Brustkrebsrisiko ergeben. Sie entschied sich dazu, vorsorglich beide Brüste amputieren zu lassen, und machte ihre Entscheidung öffentlich. Nun fordert sie, dass solche Gentests in den USA mehr Frauen als bisher zugänglich gemacht werden. In Deutschland sind Beratung und Untersuchung für Familien, in denen schon häufiger Brustkrebs vorkam, eine Kassenleistung. Wie hängen Brustkrebs und Gene zusammen? Woran erkennt man, ob man gefährdet ist oder nicht? Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums vermittelt Fakten und bietet Links zu Hintergrundinformationen.

Krebsgene – welche Erbanlagen spielen bei Brustkrebs eine Rolle?

Die wichtigsten Brustkrebsgene werden mit “BRCA1” und “BRCA2” bezeichnet. Das Kürzel steht für englisch “breast cancer gene”. Liegt in einem dieser Gene eine Mutation vor, haben nach derzeitigem Kenntnisstand bis zu acht von zehn der Trägerinnen eine Brustkrebserkrankung zu erwarten. Auch Männer können von einem Mammakarzinom betroffen sein, wenn sie das BRCA2-Gen tragen. Sowohl Frauen wie Männer vererben veränderte Erbinformationen an einen Teil ihrer Kinder. Beide Gene enthalten die “Bauanleitung” für Zelleiweiße: Das BRCA1- Protein ist unter anderem an Reparaturvorgängen der Erbsubstanz (DNA) in den Zellen beteiligt. Können bei einer BRCA1-Mutation Schäden in der Erbsubstanz DNA nicht mehr oder nur fehlerhaft repariert werden, häufen sich weitere Veränderungen im Erbmaterial an. Manchmal sind wichtige Gene betroffen, die zum Beispiel die Zellteilung oder die Fähigkeit zum programmierten Zelltod (Apoptose) steuern. Damit steigt das Krebsrisiko. Das BRCA2 – Genprodukt ist ebenfalls an der DNA-Reparatur beteiligt.

Wie hoch ist das Krebsrisiko, wenn man eines dieser Gene trägt?

Insgesamt kommen, Mutationen der BRCA1- und BRCA2-Gene selten vor. Sie betreffen nach aktuellen Daten der WHO einen Menschen von 860 (BRCA1), bzw. einen von 740 (BRCA2). Mutationen des BRCA1-Gens steigern das Risiko deutlich, an Brust- und Eierstockkrebs zu erkranken: Nach aktuellen Übersichtsarbeiten liegt das Brustkrebsrisiko für Trägerinnen von BRCA1-Mutationen bei etwa 65 Prozent. Das ist allerdings nur bis zum 70. Lebensjahr berechnet. Statistisch gesehen erkranken also rund 65 von 100 Genträgerinnen, bevor sie 70 sind, und auch in höherem Alter kann Brustkrebs noch auftreten. Die Statistik sagt, dass vier von zehn Frauen voraussichtlich an Eierstockkrebs erkranken. Bei Trägerinnen des BRCA2-Gens ist das Risiko für beide Krebsarten nicht ganz so stark gesteigert: Etwa 45 von 100 dieser Frauen erkranken bis zum Alter von 70 Jahren an Brustkrebs und etwa 11 von 100 an Eierstockkrebs.Beide Mutationen führen außerdem zu einem höheren Erkrankungsrisiko für weitere Krebsarten, zum Beispiel Darmkrebs.  Betroffen sind nicht nur Frauen, die veränderte Gene tragen: Auch bei Männern steigt das Krebsrisiko, unter anderem für Brustkrebs, Darmkrebs und Prostatakrebs.

Wer kann sich testen lassen?

Laut Gesetz geht in Deutschland solchen Gentests grundsätzlich eine ärztliche Beratung durch ausgewiesene Spezialisten voraus. Niemand sollte sich testen lassen, ohne über die Konsequenzen genau Bescheid zu wissen, oder Gentests gar im Internet bestellen.

Die Gensequenzen von BRCA1 und BRCA2 sind bekannt. Auf diese Mutationen kann das Erbmaterial von Menschen mit Verdacht auf eine erbliche Belastung daher untersucht werden. Dazu reicht eine Blutprobe aus. Allerdings ist der Test wegen der Größe der Gene und der vielen unterschiedlichen Mutationen sehr arbeits- und kostenintensiv. Einfacher ist es, wenn die exakte Veränderung bereits bei einem an Krebs erkrankten Familienmitglied nachgewiesen wurde.

Als Screening, also als Reihenuntersuchung für jede gesunde Frau, ist der Test auf keinen Fall geeignet. Er ist vor allem etwas für Frauen, in deren Familie schon öfter Brustkrebs und / oder Eierstockkrebs vorkam.Bei der Beratung orientieren sich Ärzte an einem Kriterienkatalog: Hinweise sind beispielsweise, wenn eine Verwandte vergleichsweise jung erkrankt ist, wenn mehrere Frauen in der Familie krank sind, wenn eine Frau sowohl unter Brust- wie auch Eierstockkrebs leidet, und wenn ein Mann Brustkrebs hatte. Diese bereits betroffenen Patienten sollten, wenn möglich, ebenfalls getestet werden: Dann können Veränderungen der Brustkrebsgene verglichen werden, und eine krankmachende kann von einer harmlosen Mutation unterschieden werden.

In Deutschland gibt es spezialisierte Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs (www.krebshilfe.de/brustkrebszentren.html), in denen eine Beratung und bei Bedarf eine Testung erfolgen. In diesen Zentren kann man sich auch dazu beraten lassen, wie man mit dem Thema an sich in der Familie umgeht: Manche Betroffene entscheiden sich sofort für einen Test, andere wollen am liebsten gar nichts zu dem Thema hören. Das kann die Beziehungen innerhalb einer Familie durchaus belasten. Es gibt ausdrücklich ein Recht auf Nichtwissen, und die Testung ist in Deutschland auch nur für Erwachsene nach ausführlicher Beratung möglich.

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